Einführung von Andrea Conradi in ihre Ausstellung Räuberleiter zum Unbewussten - Nicht Sichtbares sichtbar machen

Ich möchte ein bisschen was zum Hintergrund meiner Bilder sagen. Ich bin ja Kinder- und Jugendpsychiaterin und -psychotherapeutin, und als solche beschäftige ich mich natürlich mit psychischen Problemen, vor allem aber auch den Kräften, die auf dem Weg zu Gesundheit und Heilung unterstützen können.

 

Ich stelle immer wieder fest, dass die meisten Menschen mit Psychotherapie vor allem die Auseinandersetzung mit dem Schweren, Leidvollen verbinden, die Arbeit an den Schatten. Dieser Aspekt der Arbeit mit den Dunklen, den traumatischen Erinnerungen, den Kränkungen und Verletzungen ist natürlich auch sehr wichtig. Manche dieser Schatten rühren noch nicht einmal aus der individuellen Lebensgeschichte, sondern von den Generationen vor uns.

 

Meine Erfahrung ist aber, über diese wichtige Auseinandersetzung mit den Schatten nicht das Licht zu vergessen, und ich persönlich, als Malerin und als sinnlich veranlagter Mensch, würde eben auch sagen: Nicht nur das Licht nicht vergessen, sondern auch die Farben nicht.

 

Ich arbeite unter anderem oft auch hypnotherapeutisch, und dabei spielen das Erleben von Bildern und Farben eine große Rolle, weil sie so unmittelbar das Gefühl ansprechen, und Gefühle ausdrücken. So lasse ich jemanden gerne, wenn ein Ressourcenzustand, ein Zustand von Entspannung, Freude, Zuversicht erreicht ist, eine Farbe assoziieren, die sich dann ausbreiten darf im ganzen Körper.

 

Licht und Farben können Ausdruck der heilenden Kräfte des Selbst sein und kann zu diesen Kräften führen.

 

Mit dem Selbst: Unser tiefster Kern – wie bekomme ich Zugang dazu? Natürlich gerade auch über Entwicklungs- und Reifungsprozesse. Aber dann vor allem, wenn ich mich öffnen kann, für etwas, was noch tiefer geht, noch weiter als meine individuelle Persönlichkeit. Gerade wenn ich mich nicht nur als isoliertes Einzelwesen, sondern als verbunden empfinden, mit anderen Wesen, der Natur, der Welt, gerade dann habe ich auch einen tiefen Zugang zu diesen heilenden Kräften des Selbst.

 

Dann fühle ich mich ganz in mir, mit der Erde, dem Himmel und allem um mich verbunden

 

In Momenten des Glücks oder in der Meditation können wir z.B. in solche Zustände, uns selbst sehr nahe sein und uns zugleich sehr weit fühlen, kommen.

Ein Zugang, zu dieser tieferen Ebene, kann das sehr bewusste, sinnliches Erleben des Jeweiligen Augenblicks sein, und als solches natürlich das Sehen.

 

Ein Sehen, das eigentlich mehr ein Wahrnehmen ist, oder ein Fühlen, ein Schauen und vielleicht ein Staunen: Ah, diese Nuance eines zarten Graus, dies Form, diese Rundung. Die Welt löst sich dann vielleicht für kurze Zeit auf in Formen, Farben, Lichtspiele, die wir sonst gar nicht wahrnehmen, weil wir mit den praktischen Aspekten des Lebens, mit der praktischen Bedeutung der Dinge beschäftigt sind und außerdem mit unseren Gedanken sowieso schon wieder bei den Plänen für Morgen, oder bei dem , was Gestern war und übermorgen möglichweiser sein könnte... Wenn ich wirklich schaue, mich einlasse auf die Wahrnehmung von Farbe, Licht , Form, verlasse ich in diesem Moment die Gewohnheitsgedankenmühle.

 

Wenn ich mich, in einem Moment vielleicht mitten in meinem Alltagsleben, für diesen Moment ganz einlassen kann auf das Nur-Wahrnehmen, dann spüre ich, dass ich bin.

 

Mit meinen Bildern möchte ich zu einer solchen Art des Schauens anregen. Und sie möchten etwas von dieser Kraft, die hinter den Dingen ist, andeuten. Und auch anregen, in die eigene Tiefe zu gehen.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
(c) Gesundheitszentrum Blütenhof Berlin Birgit Böhmig Reinhardtstraße 3 * 10117 Berlin-Mitte * T030.28 09 82 74 * info@gesundheitszentrum-bluetenhof-berlin.de